CCNA nicht bestanden: Was jetzt zählt und was warten kann
Kurze Antwort
Wenn du beim CCNA durchgefallen bist, ist das kein Ausreißer und kein Urteil über deine Eignung für Netzwerktechnik. Es ist ein Datenpunkt. Die Frage ist nicht “war ich zu schlecht”, sondern “was genau fehlte, und ändert sich das bis zum nächsten Termin”. Wer knapp gescheitert ist, braucht drei bis vier Wochen gezielte Nacharbeit. Wer deutlich unter der Grenze lag, braucht einen Neuanfang mit anderem Lernansatz, nicht mehr vom Gleichen. Der Rest dieses Artikels zeigt dir, wie du diese Entscheidung triffst und was beim zweiten Versuch konkret anders laufen muss.
Die ersten Stunden nach dem Nichtbestehen — was jetzt zu tun ist und was nicht
Was du jetzt tun solltest: Score-Report sichern (als Foto oder Screenshot, falls das Testcenter das zulässt), die Domänen-Aufschlüsselung notieren, und dir bewusst einen Tag Abstand geben, bevor du irgendetwas entscheidest. Buche noch nicht den nächsten Termin. Melde dich nicht sofort in Foren an, um zu fragen “war das normal” – das bringt dir keine Antwort, die dir beim Lernen hilft.
Was du nicht tun solltest: sofort anfangen, alte Übungsfragen erneut durchzuklicken, in der Hoffnung, dass Wiederholung allein das Problem löst. Genauso wenig solltest du den kompletten Kursstoff noch mal von vorne durcharbeiten, ohne vorher zu wissen, welche Domänen tatsächlich schwach waren. Das kostet Zeit, die du gezielter einsetzen könntest.
Wie haeufig Nichtbestehen ist und warum das kein Sonderfall ist
Der CCNA prüft in einer einzigen Prüfung Stoff aus sechs sehr unterschiedlichen Bereichen – von Routing-Logik bis zu Automatisierungskonzepten, die viele Kandidaten aus der Praxis gar nicht kennen. Ein Nichtbestehen beim ersten Versuch ist unter Leuten, die sich ausschließlich mit Videos und Lesestoff vorbereitet haben, weit verbreitet – nicht weil sie das Material nicht verstanden hätten, sondern weil sie nie unter Prüfungsbedingungen mit echtem Zeitdruck und Simulationsfragen geübt haben. Das ist der Unterschied zwischen “ich habe es gelesen” und “ich kann es unter Druck anwenden”. Das eine ersetzt das andere nicht.
Den Score-Report lesen: was er sagt
Der Report zeigt dir eine relative Einschätzung pro Prüfungsdomäne – also ob du in Network Fundamentals stärker warst als in IP Connectivity, zum Beispiel. Das ist die einzige verlässliche Information, die du bekommst: eine Rangfolge deiner Stärken und Schwächen über die sechs offiziellen Bereiche hinweg. Mehr nicht. Was als “gut genug” gilt, hängt vom Gesamtergebnis ab, nicht von einer einzelnen Domäne – Details dazu findest du auf unserer Seite zur Bestehensgrenze.
Lies den Report als Prioritätenliste: die schwächste Domäne zuerst, dann die zweitschwächste. Nicht alle sechs gleichzeitig neu lernen.
Was der Score-Report NICHT sagt — und welche Schluesse deshalb falsch sind
Der Report sagt dir nicht, welche einzelnen Fragen du falsch beantwortet hast – diese Information gibt Cisco grundsätzlich nicht heraus, egal wie oft danach gefragt wird. Er sagt dir auch nicht, ob eine schwache Domäne an fehlendem Wissen lag oder an Zeitdruck gegen Ende der Prüfung, wo du vielleicht nur noch geraten hast. Und er vergleicht nicht “diese Frage war schwer” mit “diese Frage war einfach” – ein niedriger Domänenwert kann durch zwei besonders kniffelige Fragen entstehen, nicht durch eine echte Wissenslücke.
Der falsche Schluss, den viele daraus ziehen: “Ich bin in Security Fundamentals schlecht, also verstehe ich Sicherheit nicht.” Oft stimmt das nicht – oft war es schlicht Pech mit der Fragenauswahl in einem kleinen Bereich. Deshalb: Nimm den Report als Hinweis, nicht als Diagnose. Bestätige jede vermutete Schwäche zusätzlich mit gezielten Übungsfragen zu genau dieser Domäne, bevor du deinen Lernplan danach ausrichtest.
Knapp gescheitert — warum das eine andere Lage ist als deutlich gescheitert
Wenn du nur knapp unter der Grenze lagst, ist das eigentlich eine gute Nachricht mit einem Haken: Gut, weil dein Grundverständnis stimmt und du wahrscheinlich nur zwei oder drei Domänen gezielt nachschärfen musst. Der Haken: Genau weil es knapp war, neigen viele dazu, den Neuanfang zu überstürzen – sie buchen sofort den nächsten Termin und wiederholen dieselben Übungsfragen, in der Annahme, dass “ein bisschen mehr vom Gleichen” reicht. Das reicht bei einem knappen Fehlschlag oft nicht, weil die Lücke meist nicht Wissen betrifft, sondern Anwendung unter Zeitdruck oder ein bis zwei spezifische Unterthemen.
Deutlich unter der Grenze: wann ein Neuanfang ehrlicher ist als Nachbessern
Wenn du in mehreren Domänen gleichzeitig schwach warst – etwa in Network Access und gleichzeitig in IP Services –, ist das kein Zeichen für “an zwei Themen feilen”, sondern für eine strukturelle Lücke im Grundverständnis. In diesem Fall ist Nachbessern am Rand die falsche Strategie. Ehrlicher ist ein Neuanfang: den Stoff noch einmal komplett durcharbeiten, diesmal mit mehr Hands-on-Praxis statt reinem Auswendiglernen, und den zweiten Versuch erst dann anzusetzen, wenn Übungsprüfungen durchgehend über allen Domänen ein stabiles Bild zeigen – nicht nur in einer.
Die Wiederholungsregeln des Anbieters — Wartefrist, Anzahl der Versuche
Cisco schreibt nach einem Nichtbestehen eine Wartefrist vor, bevor du den gleichen Test erneut buchen darfst. Bei jedem weiteren Nichtbestehen verlängert sich diese Frist zusätzlich – wer also mehrfach durchfällt, muss jedes Mal länger warten als beim vorherigen Mal. Es gibt keine feste Obergrenze für die Anzahl der Versuche, aber jeder Versuch wird einzeln und vollständig berechnet – es gibt keinen Rabatt für Wiederholer. Details zur Gebührenstruktur findest du auf unserer Seite zu den Prüfungskosten. Plane die Wartefrist realistisch in deinen Zeitplan ein, statt sie als reine Formalität zu behandeln.
Wann man den zweiten Termin setzt: sofort oder mit Abstand
Bei einem knappen Nichtbestehen: buche innerhalb des erlaubten Fensters so früh wie möglich, aber erst nachdem du mindestens eine Woche gezielt an den schwachen Domänen gearbeitet und das mit Übungsprüfungen bestätigt hast. Bei einem deutlichen Nichtbestehen: setze den Termin bewusst später, erst wenn du in Übungsprüfungen über mehrere Durchläufe hinweg konstant über der Grenze liegst – nicht nach einem einzelnen guten Testlauf. Ein zu früh gebuchter zweiter Termin unter Zeitdruck ist einer der häufigsten Gründe für ein zweites Nichtbestehen.
Was der zweite Versuch kostet und was dabei zu bedenken ist
Der zweite Versuch kostet dich die volle Prüfungsgebühr erneut – es gibt keinen reduzierten Wiederholungspreis. Wer das nicht einplant, steht nach einem erneuten Nichtbestehen plötzlich vor einer dritten, ungeplanten Ausgabe. Bedenke außerdem: Wenn du zusätzliches Lernmaterial oder einen Kurs brauchst, weil deine erste Vorbereitung nicht gereicht hat, kommt das oben drauf. Kalkuliere realistisch mit der Möglichkeit eines dritten Versuchs, statt dich finanziell und mental nur auf “diesmal klappt’s” zu verlassen. Konkrete Zahlen zur Gebührenstruktur stehen auf unserer Seite zu den Prüfungskosten.
Online oder Testcenter beim zweiten Versuch — was fuer wen spricht
Wenn du beim ersten Versuch im Testcenter warst und dich durch die Umgebung abgelenkt gefühlt hast, kann die Online-Variante (über Pearson VUE von zu Hause) beim zweiten Versuch sinnvoll sein – vorausgesetzt, deine technische Umgebung (stabile Verbindung, ruhiger Raum, funktionierende Kamera) ist wirklich zuverlässig, denn technische Probleme während der Online-Prüfung sind ein zusätzliches Risiko, das du im Testcenter nicht hast. Wenn du umgekehrt beim ersten Versuch online warst und dich durch Systemchecks oder Umgebungsvorgaben gestört gefühlt hast, wechsle für den zweiten Versuch ins Testcenter – dort übernimmt das Personal die technische Seite, und du musst dich nur auf den Inhalt konzentrieren. Details zum genauen Ablauf beider Varianten findest du auf unserer Seite zum Prüfungsformat.
Ab welchem Ergebnis in Uebungspruefungen man bereit ist
Ein einzelnes gutes Ergebnis in einer Übungsprüfung ist kein Signal. Bereit bist du, wenn du über mehrere unabhängige Übungsprüfungen hinweg konstant über der Bestehensgrenze liegst – nicht schwankend zwischen einem guten und einem schlechten Durchlauf. Achte zusätzlich darauf, dass die Konstanz über alle sechs Domänen verteilt ist, nicht nur in den Domänen, die dir ohnehin leichtfallen. Übungsfragen, die die Struktur echter Prüfungsfragen abbilden, findest du auf unserer Seite mit Übungsfragen.
Welche Fragen man wiedererkennt und warum man sich darauf nicht verlassen darf
Es passiert oft, dass Kandidaten beim zweiten Versuch ein oder zwei Fragen wiedererkennen, die schon beim ersten Mal drankamen, weil Cisco aus einem großen Fragenpool zieht, der sich zwischen Versuchen überschneiden kann. Der Fehler ist, daraus die Erwartung abzuleiten, dass der zweite Versuch “im Wesentlichen die gleiche Prüfung” wird. Das stimmt nicht – der Pool ist groß genug, dass die Mehrheit der Fragen anders ist, und Cisco aktualisiert den Pool regelmäßig. Wer sich auf Wiedererkennung statt auf echtes Verständnis verlässt, fällt beim zweiten Versuch aus genau dem gleichen Grund wie beim ersten.
Die Pruefungssprache beim zweiten Versuch
Wähle die Prüfungssprache danach, in welcher Sprache du die technischen Begriffe am sichersten beherrschst – nicht zwingend deine Muttersprache. Die Netzwerktechnik-Terminologie ist international überwiegend englisch geprägt (Fachbegriffe, Befehle, Konzepte), und wer in deutschsprachigen Kursen gelernt, aber die Prüfung auf Englisch abgelegt hat, sollte beim zweiten Versuch nicht ohne Grund die Sprache wechseln – ein Sprachwechsel bringt eine zusätzliche kognitive Last genau dann, wenn du sie am wenigsten brauchen kannst. Bleib bei der Sprache, in der du geübt hast, außer du hattest beim ersten Versuch echte Verständnisprobleme mit der Formulierung der Fragen.
Typische Fehler beim zweiten Anlauf
- Dieselben Materialien noch einmal komplett durcharbeiten, ohne die schwachen Domänen aus dem Score-Report gezielt zu priorisieren.
- Sich auf Wiedererkennung einzelner Fragen verlassen statt auf Verständnis.
- Den Termin aus Ungeduld zu früh setzen, bevor die Wartefrist sinnvoll für echte Nacharbeit genutzt wurde.
- Nur Multiple-Choice-Fragen üben und die Simulationsaufgaben (Konfigurationsszenarien) vernachlässigen, die im echten Test viel Zeit kosten.
- Überkonfidenz: “Ich weiß ja jetzt, wie die Prüfung tickt” – ohne die inhaltliche Lücke tatsächlich geschlossen zu haben.
Zeiteinteilung und Nerven im zweiten Versuch
Wenn du beim ersten Versuch am Ende in Zeitnot geraten bist, übe für den zweiten Versuch explizit mit Timer unter realistischen Bedingungen, nicht nur inhaltlich. Setz dir eine Faustregel pro Fragentyp: Simulationsaufgaben zuerst grob einschätzen, ob sie sich lohnen, bevor du dich in Details verlierst, und Multiple-Choice-Fragen zügig durcharbeiten, um Puffer für die aufwendigeren Aufgaben zu haben. Zur Nervenseite: Die Erinnerung an das erste Nichtbestehen sitzt beim zweiten Versuch oft im Kopf und erzeugt genau den Druck, der zu Flüchtigkeitsfehlern führt. Wer das erwartet und bewusst gegensteuert – etwa mit einer kurzen Atempause zu Beginn statt sofort loszulegen – übernimmt sich seltener am Anfang der Prüfung.
Wie man mit dem Arbeitgeber darueber spricht
Wenn dein Arbeitgeber die Prüfung finanziert oder erwartet hat, sprich das Nichtbestehen offen, aber sachlich an: benenne die Domänen, die schwach waren, und den konkreten Plan für den zweiten Versuch – das signalisiert Kontrolle über die Situation, nicht Rechtfertigung. Du musst ein Nichtbestehen nicht von dir aus in jedem Kontext erwähnen, wenn niemand danach fragt; entscheidend ist, dass du es nicht verheimlichst, falls direkt gefragt wird. Ein bestandener zweiter Versuch zählt am Ende genauso wie ein bestandener erster – niemand im Zertifikat sieht, wie oft du angetreten bist.
Wann der Wechsel auf eine andere Zertifizierung ehrlicher ist als ein dritter Versuch
Wenn du beim zweiten Versuch wieder in denselben Domänen scheiterst wie beim ersten – trotz gezielter Nacharbeit –, ist das ein Signal, dass die Lücke tiefer liegt als “noch ein bisschen mehr lernen”. In dem Fall ist es ehrlicher, vor einem dritten CCNA-Versuch eine grundlegendere Zertifizierung wie CompTIA Network+ zwischenzuschalten, um die Basiskonzepte in einem weniger dichten Format zu festigen, statt ein drittes Mal mit der gleichen Wissensbasis anzutreten. Das ist kein Rückschritt – es ist der Unterschied zwischen “ich wiederhole den gleichen Versuch” und “ich schließe tatsächlich die Lücke”.
Was sich im Lernen aendern muss, damit der zweite Versuch anders ausgeht
Konkret heißt das: weniger passives Video-Schauen, mehr Hands-on-Konfiguration in einem Lab (physisch oder simuliert), gezielte Wiederholung genau der Domänen aus dem Score-Report statt des kompletten Stoffs, und mindestens zwei bis drei vollständige Übungsprüfungen unter echten Zeitbedingungen statt themenweiser Häppchen. Wenn dein erster Lernansatz aus reinem Lesen und Auswendiglernen bestand, muss der zweite Ansatz Anwendung in den Mittelpunkt stellen – das ist der Unterschied, der beim CCNA tatsächlich zwischen Bestehen und Nichtbestehen entscheidet.
FAQ
Kann ich sehen, welche konkreten Fragen ich falsch beantwortet habe? Nein. Cisco gibt einzelne Fragen oder Antworten nicht heraus, nur die relative Einschätzung pro Domäne im Score-Report.
Muss ich beim Wiederholen dieselben Lernmaterialien nutzen? Nur, wenn sie beim ersten Mal tatsächlich zu einem soliden Verständnis geführt haben. Wenn die schwachen Domänen im Report zeigen, dass genau diese Themen aus deinen Materialien nicht ausreichend behandelt wurden, ergänze gezielt statt alles zu wiederholen.
Bekommen erfahrene Wiederholer schwerere Fragen? Nein, es gibt keinen Mechanismus, der Fragen nach einem Nichtbestehen absichtlich erschwert. Der Fragenpool ist groß und wird unabhängig vom Prüfungsverlauf gezogen.
Sollte ich bei einem erneuten knappen Nichtbestehen die Strategie komplett ändern? Ja – wenn du zweimal knapp scheiterst, ist “ein bisschen mehr üben” offensichtlich nicht die Lösung. Dann brauchst du eine strukturierte Analyse, welche konkreten Unterthemen innerhalb der schwachen Domänen dich beide Male ausgebremst haben.
Ehrliches Fazit
Ein Nichtbestehen beim CCNA ist ein Datenpunkt, keine Diagnose deiner Fähigkeiten. Die Entscheidung, die wirklich zählt, ist nicht “wann buche ich den nächsten Termin”, sondern “was genau ändert sich bis dahin an meinem Lernansatz”. Wer das ehrlich beantwortet – anhand des Score-Reports, nicht anhand von Bauchgefühl – hat beim zweiten Versuch tatsächlich bessere Karten als beim ersten.
Fakten zu CCNA: CCNA Prüfungsaufbau → CCNA Bestehensgrenze → CCNA Kosten →
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