Ist AZ-104 schwierig für Anfänger? Ehrliche Schwierigkeitsanalyse (2026)
Kurze Antwort
Ja, AZ-104 ist für echte Anfänger schwer — aber nicht unmöglich. Wenn du auf Reddit nach “AZ-104 without experience” suchst, wirst du zwei Lager finden: Leute, die in sechs Wochen ohne Vorerfahrung bestanden haben, und Leute, die dreimal durchgefallen sind, obwohl sie monatelang gelernt haben. Beide Geschichten sind wahr, und der Unterschied liegt fast nie am Talent, sondern an der Art der Vorbereitung.
AZ-104 ist keine Wissensprüfung im klassischen Sinn. Es ist eine Prüfung, die praktische administrative Fähigkeiten testet — nicht nur Theorie. Du brauchst echte Erfahrung mit dem Azure-Portal, mit Kommandozeilen-Tools wie Azure CLI oder PowerShell, und mit realistischen Troubleshooting-Szenarien. Genau das ist der Punkt, an dem viele Einsteiger scheitern: Sie lernen Konzepte auswendig, statt sie in Azure tatsächlich anzuwenden.
Der Schwierigkeitsgrad hängt also weniger von der Prüfung selbst ab als davon, wie du “Anfänger” definierst. Und genau da fangen wir an.
Was “Anfänger” im Kontext von AZ-104 bedeutet
Bevor du den Schwierigkeitsgrad realistisch einschätzen kannst, musst du ehrlich sein, welcher Typ Anfänger du bist. Ich sehe in der Praxis drei unterschiedliche Profile, die alle “AZ-104 ohne Erfahrung” googeln, aber völlig unterschiedliche Startpunkte haben:
Typ 1: Der IT-Anfänger. Du hast noch nie einen Server administriert, kein Netzwerk konfiguriert, kein Active Directory verwaltet — weder on-premises noch in der Cloud. Für dich bedeutet “Anfänger” wirklich bei null anzufangen.
Typ 2: Der IT-erfahrene Cloud-Anfänger. Du arbeitest seit Jahren im IT-Support, in der Systemadministration oder im Helpdesk, hast aber noch nie mit Azure gearbeitet. Du kennst Konzepte wie Nutzerverwaltung, Netzwerke oder Backups aus der on-premises-Welt, musst sie aber auf die Cloud übertragen.
Typ 3: Der zertifizierte Anfänger. Du hast vielleicht AZ-900 oder eine andere Fundamentals-Zertifizierung gemacht, aber noch nie praktisch in einer Azure-Umgebung gearbeitet. Du kennst die Begriffe, aber nicht die Praxis.
Diese drei Gruppen brauchen völlig unterschiedliche Vorbereitungszeiten und -strategien. Typ 2 hat es objektiv am leichtesten, weil administrative Denkmuster bereits vorhanden sind — nur die Werkzeuge sind neu. Typ 1 braucht am meisten Zeit, weil er zwei Dinge gleichzeitig lernen muss: IT-Grundlagen und Azure-spezifisches Wissen. Wenn du also in Foren liest “ich habe in vier Wochen bestanden, ohne Erfahrung”, frag dich immer: Erfahrung womit genau?
Wie schwer ist AZ-104 objektiv?
Um AZ-104 richtig einzuordnen, hilft ein Vergleich mit anderen Microsoft- und Cloud-Zertifizierungen, statt es isoliert zu bewerten.
Leichter als: AZ-305 (Solutions Architect Expert) und SC-300 (Identity and Access Administrator Expert). Diese Prüfungen setzen bereits administrative Erfahrung voraus und verlangen architektonisches Denken auf höherem Niveau — AZ-104 ist im Vergleich handfester und konkreter.
Ähnlich schwer wie: AZ-204 (Developer Associate) und MS-102 (Microsoft 365 Administrator). Beide bewegen sich auf Associate-Niveau und verlangen praktische, szenariobasierte Kompetenz statt reinem Faktenwissen.
Schwerer als: AZ-900 (Azure Fundamentals) und SC-900 (Security Fundamentals). Das ist der Vergleich, der bei Anfängern am meisten Verwirrung stiftet. AZ-900 kannst du in ein bis zwei Wochen mit reinem Auswendiglernen bestehen. AZ-104 nicht. Der Sprung zwischen den beiden ist größer, als die Namensgebung (“Fundamentals” vs. “Administrator”) vermuten lässt.
Auf der offiziellen Skala liegt AZ-104 klar im Associate-Bereich — mittlere Schwierigkeit für die Microsoft-Zertifizierungslandschaft, aber definitiv am oberen Ende dessen, was jemand ohne Vorerfahrung in kurzer Zeit bewältigen kann. Schau dir für exakte aktuelle Prüfungsdetails immer die offizielle Microsoft-Seite an, da sich Format und Anzahl der Fragen ändern können.
Die Prüfung deckt sechs Domänen ab:
- Manage Azure Identities and Governance (20%)
- Implement and Manage Storage (15%)
- Deploy and Manage Azure Compute Resources (20%)
- Implement and Manage Virtual Networking (25%)
- Monitor and Maintain Azure Resources (10%)
- Configure and Manage Azure Security (10%)
Die 25%-Gewichtung bei Virtual Networking ist kein Zufall — Netzwerke sind das Fundament jeder Azure-Administration, und genau hier scheitern die meisten Anfänger, weil Netzwerkkonzepte sich nicht durch Lesen erschließen, sondern durch Ausprobieren.
Welches Vorwissen AZ-104 voraussetzt
Microsoft ist hier relativ transparent: Die offizielle Empfehlung liegt bei sechs Monaten praktischer Erfahrung mit Azure-Administration. Das bedeutet nicht sechs Monate Kurse schauen, sondern sechs Monate mit den Händen in einer echten oder simulierten Umgebung arbeiten.
Konkret solltest du vor dem Prüfungstermin Folgendes bereits selbst gemacht haben — nicht nur darüber gelesen:
- Eine virtuelle Maschine erstellt, konfiguriert und wieder gelöscht haben
- Ein VNet mit Subnetzen aufgesetzt und Network Security Groups konfiguriert haben
- Azure AD-Benutzer, -Gruppen und RBAC-Rollen zugewiesen haben
- Storage Accounts erstellt und Zugriffsrichtlinien (inklusive Azure Blob Storage) konfiguriert haben
- Ressourcen über Azure CLI oder PowerShell verwaltet haben, nicht nur über das Portal
- Backup- und Wiederherstellungsszenarien durchgespielt haben
- Grundlegende Netzwerk-Troubleshooting-Schritte durchgeführt haben (DNS, Routing, Konnektivität)
Wenn dir mehr als zwei oder drei Punkte aus dieser Liste komplett fehlen, wirst du bei AZ-104 Schwierigkeiten bekommen. Das ist keine Entmutigung, sondern eine ehrliche Einschätzung: Die Prüfung bringt dir diese Konzepte nicht bei — sie testet, ob du sie bereits anwenden kannst. Das unterscheidet AZ-104 fundamental von Fundamentals-Prüfungen, die reines Konzeptwissen abfragen.
Das heißt nicht, dass du produktive Berufserfahrung brauchst. Ein kostenloses Azure-Konto reicht, um alle oben genannten Punkte selbst durchzuspielen. Aber “durchspielen” muss wörtlich genommen werden — Videos schauen zählt nicht.
Die schwierigsten Teile von AZ-104 für Anfänger
Nicht alle Domänen sind gleich schwer für Einsteiger. Nach Auswertung unzähliger Erfahrungsberichte und Foren-Diskussionen kristallisieren sich klare Muster heraus.
Virtual Networking (25% der Prüfung) ist für die meisten Anfänger die größte Hürde — logisch, bei diesem Gewicht. Subnetting, NSG-Regeln, Peering zwischen VNets, Load Balancer-Konfiguration und Hybrid-Connectivity-Szenarien verlangen ein mentales Modell, das man sich nicht durch Auswendiglernen aneignet. Wer noch nie mit IP-Adressierung und Routing gearbeitet hat, braucht hier überproportional viel Zeit.
Identity and Governance klingt einfach, ist es aber nicht. RBAC-Konzepte, die Unterscheidung zwischen Azure AD-Rollen und Azure-Rollen, Management Groups, Policies und Locks — hier verwechseln Anfänger ständig ähnliche Begriffe, weil die Hierarchien (Tenant, Management Group, Subscription, Resource Group, Resource) am Anfang wenig intuitiv wirken.
Compute Resources ist konzeptionell zugänglicher, aber die Details bei VM-Skalierung, Availability Sets, Availability Zones und VM-Scale-Sets führen oft zu Verwechslungen — besonders wenn Fragen subtil zwischen ähnlichen Szenarien unterscheiden.
Der eigentliche Grund, warum diese Bereiche schwerfallen, ist selten der Inhalt selbst — sondern dass die Prüfung praktische Hands-on-Labs zusätzlich zu Multiple-Choice-Fragen enthält. Beginner verbringen oft zu viel Zeit mit den ersten Fragen und haben am Ende zu wenig Zeit für die praktischen Aufgaben, die echte Kompetenz zeigen sollen. Zeitmanagement ist hier fast so wichtig wie Fachwissen.
Was Anfänger bei AZ-104 systematisch unterschätzen
Es gibt einen Denkfehler, der bei fast jedem gescheiterten ersten Versuch auftaucht: Anfänger erwarten, sich auf zwei oder drei Azure-Dienste spezialisieren zu können und den Rest zu überspringen. Das funktioniert bei AZ-104 nicht.
AZ-104 testet administrative Kompetenz über die gesamte Plattform hinweg. Du kannst Storage nicht ignorieren, nur weil dir Networking mehr liegt — beide Themen tauchen garantiert in deiner Prüfung auf. Diese Breite wird chronisch unterschätzt, weil viele Vorbereitungsressourcen suggerieren, man könne sich auf “die wichtigen Themen” konzentrieren.
Zweitens unterschätzen Anfänger den Unterschied zwischen Portal-Wissen und CLI/PowerShell-Wissen. Viele lernen ausschließlich über das Azure-Portal, weil es visuell und intuitiv ist. Die Prüfung erwartet aber, dass du auch Kommandozeilen-basierte Workflows verstehst — nicht unbedingt jeden Befehl auswendig, aber das Konzept dahinter
setzt. Wer nur klickt und nie einen Befehl in der Cloud Shell eingegeben hat, wird bei bestimmten Fragen ins Straucheln geraten — nicht weil der Inhalt unbekannt ist, sondern weil das Format ungewohnt wirkt.
Realistische Lernzeit für jeden Anfänger-Typ
Zurück zu den drei Profilen aus Teil 1 — hier wird es konkret, weil pauschale Aussagen wie “AZ-104 dauert 2 Monate” ohne Kontext nutzlos sind.
Typ 1 (IT-Anfänger): Plane realistisch drei bis fünf Monate ein, wenn du parallel arbeitest oder studierst. Das liegt nicht daran, dass Azure kompliziert ist, sondern daran, dass du gleichzeitig Netzwerkgrundlagen, Betriebssystemkonzepte und Cloud-spezifisches Wissen aufbaust. Wer diesen Zeitraum auf vier Wochen komprimieren will, bereitet sich meist oberflächlich vor und merkt das erst in der Prüfung.
Typ 2 (IT-erfahrener Cloud-Anfänger): Sechs bis zehn Wochen sind realistisch. Du musst keine administrativen Denkmuster neu lernen, sondern nur übersetzen — aus “on-premises Active Directory” wird “Azure AD”, aus “physischem Netzwerk” wird “VNet”. Die größte Fehlerquelle bei diesem Typ ist Selbstüberschätzung: Weil vieles vertraut klingt, wird die Cloud-spezifische Praxis vernachlässigt.
Typ 3 (zertifizierter Anfänger mit AZ-900): Acht bis zwölf Wochen, weil AZ-900-Wissen zwar die Terminologie liefert, aber keine praktische Handlungskompetenz. Der Fehler bei diesem Typ: Er verwechselt Vertrautheit mit Begriffen (“Ich weiß, was ein Resource Group ist”) mit tatsächlicher Fähigkeit (“Ich kann eine Resource Group per CLI erstellen und Rollen zuweisen”). Das sind zwei völlig unterschiedliche Kompetenzstufen.
Diese Zahlen sind keine Garantie, sondern Erfahrungswerte aus unzähligen Foren-Threads und Study-Groups. Wer täglich eine Stunde konsequent im Portal und in der CLI arbeitet, ist schneller fertig als jemand, der wöchentlich fünf Stunden Videos konsumiert.
Der Vorbereitungsweg, der bei Anfängern tatsächlich funktioniert
Nach dem Auswerten vieler Erfolgs- und Misserfolgsgeschichten zeichnet sich ein Muster ab, das bei Anfängern zuverlässig funktioniert — und ein Muster, das zuverlässig scheitert.
Was funktioniert: Eine Struktur, die Theorie und Praxis im Verhältnis 30/70 kombiniert. Konkret heißt das: Du schaust dir ein Konzept an (zum Beispiel NSG-Regeln), setzt es sofort im kostenlosen Azure-Konto um, brichst es absichtlich (lösche eine Regel, ändere eine Priorität, beobachte was passiert) und reparierst es wieder. Dieses “kaputt machen und reparieren” ist der Punkt, an dem Wissen zu Kompetenz wird. Anfänger, die so vorgehen, berichten deutlich seltener von Prüfungsangst — nicht weil sie mehr wissen, sondern weil sie Szenarien schon einmal live erlebt haben.
Was nicht funktioniert: Reines Kursformat, bei dem du zusiehst, wie jemand anderes klickt. Das Gehirn merkt sich Bewegungsabläufe schlecht, wenn es sie nur beobachtet statt selbst auszuführen. Genauso wenig funktioniert es, Übungsfragen auswendig zu lernen, ohne die Begründung dahinter zu verstehen — AZ-104 stellt Szenariofragen, bei denen zwei Antwortoptionen fast identisch klingen und sich nur in einem Detail unterscheiden (z. B. “Contributor-Rolle” vs. “Owner-Rolle” bei einer bestimmten Aufgabe). Wer nur die richtige Antwort auswendig kennt, aber nicht das Warum, scheitert an der nächsten Frage mit vertauschten Begriffen.
Ein oft unterschätzter Baustein: hochwertige Übungsfragen, die nicht nur “richtig oder falsch” markieren, sondern erklären, warum eine Antwort in diesem spezifischen Szenario korrekt ist und die andere nicht. Genau das trainiert das Urteilsvermögen, das AZ-104 wirklich prüft.
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Solltest du als Anfänger überhaupt direkt mit AZ-104 starten?
Diese Frage stellt sich fast jeder Typ-1- und Typ-3-Anfänger irgendwann: Lohnt es sich, zuerst AZ-900 zu machen, oder ist das Zeitverschwendung?
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, wie du lernst, nicht darauf, was “am effizientesten” klingt. Wenn du komplett neu in der IT bist, gibt dir AZ-900 ein Gerüst aus Begriffen und Grundkonzepten, an dem du später AZ-104-Wissen aufhängen kannst. Ohne dieses Gerüst wirkst du bei AZ-104-Vorbereitung oft überfordert, weil jeder zweite Satz einen unbekannten Begriff enthält, den du erst nachschlagen musst.
Wenn du bereits IT-Erfahrung hast (Typ 2), ist AZ-900 meist überflüssig — du verlierst Zeit mit Konzepten, die du in anderer Form schon kennst. Hier lohnt es sich, direkt mit AZ-104-Material zu starten und AZ-900-Themen nur bei Bedarf punktuell nachzuschlagen.
Ein Kompromiss, der bei vielen funktioniert: die ersten zwei Wochen AZ-900-Grundlagen im Schnelldurchlauf (nicht die Zertifizierung selbst ablegen, nur den Stoff durcharbeiten), danach direkt in die praktische AZ-104-Vorbereitung einsteigen. So bekommst du das nötige Vokabular, ohne unnötig Zeit in eine zweite Prüfungsanmeldung zu investieren.
Häufige Fragen (FAQ)
Brauche ich AZ-900, bevor ich AZ-104 versuche? Offiziell nicht — es gibt keine Voraussetzung. Praktisch hilft es aber, wenn du komplett neu in der IT bist, weil AZ-900 dir die Grundbegriffe liefert, ohne die AZ-104-Material schwer verständlich ist. Mit IT-Erfahrung kannst du AZ-900 meist überspringen.
Wie viele Stunden Praxis brauche ich mindestens, um als Anfänger zu bestehen? Es gibt keine feste Zahl, aber als Richtwert: mindestens 60 bis 100 Stunden reine Hands-on-Zeit im Azure-Portal und in der CLI, verteilt über mehrere Wochen. Reines Lesen oder Videoschauen zählt hier nicht mit — gemeint ist aktives Ausprobieren und Fehlerbeheben.
Reicht das kostenlose Azure-Konto, um mich vollständig auf AZ-104 vorzubereiten? Für die meisten Domänen ja. Du kannst VMs, VNets, Storage Accounts und RBAC-Zuweisungen komplett kostenlos üben. Bei einigen fortgeschrittenen Networking-Szenarien (z. B. ExpressRoute oder bestimmte Hybrid-Connectivity-Setups) stößt du an Grenzen, weil sie kostenpflichtige Ressourcen erfordern — hier hilft es, die Konzepte zumindest in der Dokumentation und in Übungsfragen gründlich zu verstehen.
Wie ist die Prüfung aufgebaut, und wie viele Fragen muss ich beantworten? Format, Fragenzahl und Bestehensgrenze ändern sich gelegentlich, deshalb lohnt sich immer ein Blick auf die aktuelle Microsoft-Seite vor der Anmeldung. Grundsätzlich gilt: Es handelt sich um eine Mischung aus Multiple-Choice-Fragen, szenariobasierten Fragen und teils praktischen Labs, nicht um reines Faktenwissen.
Kann ich AZ-104 realistisch in vier Wochen ohne jede Vorerfahrung schaffen? Möglich, aber selten nachhaltig. Wenn du vier Wochen mit täglich mehreren Stunden intensiver Hands-on-Arbeit investierst, ist es machbar — die Erfahrungsberichte, die das behaupten, meinen fast immer diese Intensität, nicht ein lockeres Nebenbei-Lernen. Realistischer für die meisten kompletten Anfänger sind acht bis zwölf Wochen mit moderatem Tempo.
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